303 Kilometer irrsinniges Gegreffel in Frankfurt am Main

Sonntag, 6 Uhr morgens. Eine Gruppe schlafloser Radfahrer versammelt sich unter einer Brücke mitten in Frankfurt am Main, um das Frankfurter Greffelründsche – bereits ein moderner Klassiker – in Angriff zu nehmen.

303 Kilometer irrsinniger Singletracks, Greffel, Fußwege, Brücken, Alleen und Abschnitte, die jeder Kategorisierung trotzen, zusammengesetzt zu einem Etwas, das sich wie ein Fiebertraum anfühlt. In einem Moment fährst du einen Singletrack, der sich durch ein Waldstück windet, dann spuckt es dich auf eine sandige Baustelle aus, zurück auf Schotter, bevor du dich durch ein Labyrinth aus Kleingärten, Zäunen und Parks navigierst und wieder auf zugewachsenen Trampelpfaden landest.

Du fährst weit und verlässt dennoch kaum die Stadt. Es gibt wenig Asphalt, dafür unzählige Richtungswechsel und es wird garantiert nicht langweilig. Keine Chance mal durchzuatmen. Ein bisschen von allem. Und zwar viel davon. Die Skyline ständig im Blick aus allen Richtungen, wenn man sie am wenigsten erwartet. Im Hintergrund der Taunus und jede Menge Autobahnen. Bis du dann völlig die Orientierung verlierst.

Aber es ist egal, folge einfach dem Zickzack auf deinem Radcomputer. Schalte deine Vernunft aus und entscheide dich, blind der Route zu folgen. Ich verspreche, sie bringt dich an Orte von denen du nicht wusstest, dass sie in Frankfurt existieren. Die Definition von RIDE EVERYWHERE. Obwohl es nicht um die Zielankunft, sondern die Strecke an sich geht, fühlt es sich schon verdammt besonders an, nach 20 Stunden im Sattel in’s Herz der Stadt Frankfurt zurückzukehren. Als ob du dann etwas über die Stadt weißt, wie sie sonst niemand kennt.

Danke für diesen Höllenritt.

Jesko von Werthern (15.10.2019), frei aus dem Englischen übersetzt